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JOURNAL

Im Interview mit Lisa Lang / ElektroCouture

Zunehmend verändern neue Techniken unsere Art zu leben. Mit Hilfe der Digitalisierung verändert sich auch die Art, wie wir uns kleiden und wie wir shoppen. Mode und Technologien beginnen sich so langsam zu ergänzen: smarte Stoffe, innovative Ideen, neue Trends, 3D-Drucke, Wearables, LED-Lampen, Bio Tech, um nur wenige Beispiele zu nennen. Pionierin auf diesem Feld ist die Unternehmerin Lisa Lang mit ihrem Berliner Unternehmen ElektroCouture.

Wir haben Lisa in ihrem Studio in Kreuzberg am Tempelhofer Ufer besucht, um uns ein wenig über die Zukunft von Fashiontech, alltägliche Herausforderungen und über die neuen Kollektionen, die zur Fashion Week vom 04.-08.07. im Bikini Berlin gezeigt werden, zu sprechen.

 


Gastblogger für Bikini Berlin
Michael - Blog Bohème
 
Lisa Lang ElectroCouture

Erzähl mir ein bisschen über dich. Was ist dein Background? Wie kam es zu ElektroCouture?

Also die witzige Sache ist, dass ich gar nicht aus dem klassischen Fashion Bereich komme. Ich war genau einen Tag in der Modeschule. Ich habe dann Medien- und Kunstwissenschaften studiert und habe davor eine Ausbildung zur Fotografin gemacht. Und während des Studiums kam ich auf die Idee des Programmierens. Ich habe an der Merz Akademie in Stuttgart studiert, die sowieso sehr interdisziplinär ausgerichtet ist. Der Künstler ist ein Handwerker, der Handwerker ist ein Künstler. Deswegen hängt hier auch immer noch ein Bauhaus Poster bei uns im Studio. Also grundsätzlich bin ich von meinem Werdegang eher ein Tausendsassa. Mein Ziel war es jedoch immer, das große Ganze zu verstehen. 

 

Wie es zu ElektroCouture kam, lässt sich am besten mit einer großen Reise beschreiben. Ich habe mir die Frage gestellt, wieso ich als großer Technologie-Nerd nix Hübsches tragen kann, das auch smart ist? Entweder man trägt was, was hübsch ist, aber dumm, oder man trägt etwas Smartes und sieht aus wie ein Roboter oder eine Discokugel.

Vor drei bzw. vier Jahren gab es einfach noch nicht so viele coole Sachen in Richtung Fashiontech. Also habe ich mir gedacht à la Pippi Langstrumpf, ich mach mir die Welt so, wie sie mir gefällt. Hauptberuflich habe ich hier in Berlin für einen amerikanischen Softwarehersteller gearbeitet und hab mich nebenbei, etwa 2014, auf die Suche nach etwas gemacht, das heute ElektroCouture ausmacht und gleichzeitig finanziell rentabel ist. Und jetzt sitzen wir hier. (lacht)

Lisa Lang ElectroCouture
 
Lisa Lang ElectroCouture
Welche Herausforderungen stellen sich euch und eurer täglichen Arbeit in den Weg?

Auf der einen Seite, dass wir im Kontext von Fashiontech arbeiten und Fashiontechnologen brauchen, die es aber nicht gibt, d.h. die kommen nicht aus den Universitäten, deswegen haben wir angefangen, jene selbst mit unserer Fashiontech Academy auszubilden. Das heißt, wir müssen immer erst ein paar Schritte zurückgehen, bevor wir ein paar Schritte nach vorne gehen können, weil wir die Leute erst ausbilden müssen. Aber wir sind da dran.

Dann besteht im Kontext von Skalierung und Manufaktur eine weitere zentrale Herausforderung, da viele große Firmen davor zurückschrecken, dass es keine Manufakturstandards für Fashiontech gibt. Ich bin aber gerade dabei mit dem DIN Haus (Deutsches Institut für Normung) und der Europäischen Union erste Konzepte zu entwickeln.
 

Nachhaltigkeit: Das Thema unserer Generation. Welche Rolle spielt das für dich?

Nachhaltigkeit spielt eine sehr große Rolle für uns, weil Fashiontech und Nachhaltigkeit ein Zukunftsthema ist. Gott sei dank ist das Thema Nachhaltigkeit nicht mehr so ein Hippie-Ding, sondern wird mittlerweile wirklich ernst genommen. Technologie kann sehr stark dabei helfen, Nachhaltigkeit zu generieren. Also sei es die Überwachung von Produktionsabläufen und deren Effizienz. Oder Maschinen so zu kalibrieren, dass es keinen Ausschuss gibt. Außerdem, um nachvollziehen zu können, woher Materialien kommen. Und es gibt ja auch Biotechnologien, die ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit sind.

Außerdem sind wir mittlerweile an einem Punkt, wo wir gar nicht mehr diskutieren dürfen, ob wir Nachhaltigkeit brauchen, sondern eher wie. Und dabei kann Technologie helfen. Dennoch müssen wir uns überlegen, wie wir beispielsweise Elektronik, die in ein Kleidungsstück eingenäht wird, entsorgen? Es stellen sich also neue Fragen, über die man sich notwendigerweise Gedanken machen muss.

Lisa Lang ElectroCouture
 
Lisa Lang

Ist Berlin ein geeigneter Standort für Smart Fashion / Fashiontech?  

Ja, natürlich. Hier geht halt alles. Das Schöne ist, dass hier die sogenannten Elfenbeintürme nicht so hoch sind. Also eine Innovation in Material und Fashion zu generieren, ist in Mailand, New York und London um einiges schwieriger, weil es keinen Zugang dafür gibt. In Berlin ist halt alles so Punk Rock, grundsätzlich ist alles erstmal geil und jeder ist irgendwie super kreativ. Der Vorteil von Berlin ist, dass wir eben nicht die Fashionmetropole oder Technologiemetropole sind.


Sprechen wir über deine Kollektion, die du während der Fashionweek im Bikini Berlin ausstellst. Was erwartet uns dort?

Wir zeigen eine kunterbunte Auswahl von verschiedenen Designs aus der ganzen Welt, um die Vielschichtigkeit von Fashiontech zu zeigen. Jeder hat nämlich seine ganz eigene Antwort auf Fashiontech. Und das ist gerade das Schöne an Fashiontech, dass jeder seine eigene Geschichte erzählen kann. Auf der einen Seite haben wir natürlich Marlene Dietrich.

Ganz stolz bin ich aber auf drei Gastdesigner aus Bangkok. Wir haben letztes Jahr mit dem Goethe-Institut Thailand die erste Generation an Fashiontech-Designern ausgebildet und die drei Besten haben ein Stipendium bekommen, um ihre Designs hier in Berlin auszustellen. Deren Handwerk in Kombination mit Technologie ist schon unfassbar. Außerdem gibt es natürlich Textilinnovationen zu sehen, ein interaktives Kleid mit 3D Druck. Wir wollen einfach so gut es geht die große Bandbreite und die verschiedenen Silhouetten von Fashiontech zeigen. Endlich geht wieder alles in der Mode!