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JOURNAL

10 Tipps für bewussten Konsum


 vrenifrost
 

Eines gleich zu Beginn: Ich konsumiere gern. Manchmal bezeichne ich mich auch als kleines Konsum-Opfer. Während ich vor nicht gar allzu langer Zeit noch viel Fast Fashion gekauft habe, so setze ich meine Prioritäten jetzt anders. Das hat zum einen damit zu tun, dass mein Budget höher ist als noch vor ein paar Jahren und zum anderen vor allem damit, dass ich möchte, dass die Menschen am Ende der Produktionskette fair behandelt werden. Dazu kommt, dass es uns auch die Umwelt dankt, wenn bei der Produktion unserer Klamotten auf fiese Chemikalien, unzählige Liter Wasser oder Pestizide verzichtet wird.

Kleidung begleitet mich schon mein ganzes Leben. Ich liebe Klamotten und besitze echt viel – wobei auch immer ein reger Durchlauf herrscht, weil ich vieles schon nach kurzer Zeit wieder verkaufe. Wenn ich nicht Second-Hand oder Vintage einkaufe, dann meist bei Labels, die auf eine faire und nachhaltige Produktion achten.

In allen Bereichen diskutieren wir über Nachhaltigkeit. Da dürfen wir den Kleiderschrank nicht ausklammern. Gerade hier können wir viel verändern. Unsere Kleidung wird nicht automatisch produziert. Am Ende der Produktionskette sitzt immer ein Mensch. Damit dieser Mensch unter fairen Bedingungen arbeiten kann, müssen wir das System ändern. Wo aber anfangen? Und wie bekommen wir einen Überblick? Hier folgen 10 Tipps.

 

1. Kleiderschrank-Inventur

Was besitze ich eigentlich wirklich? Verschaffe dir einen konkreten Überblick über den Inhalt deines Schranks. Dazu räumst du einfach alles erst einmal aus und nimmst Stück für Stück alles in die Hand. Überprüfe ehrlich, was du trägst. Sagt du klar JA zu einem Teil, dann räume es zurück in den Schrank. Mach dir einen separaten Stapel für dein NEIN. Und beim VIELLEICHT hilft dir der folgende und der achte Tipp, der später folgt.

2. #30WEARS

Die maßlose Überproduktion von Kleidung ist ein riesiges Problem in der Modebranche. Laut Greenpeace tragen wir lediglich 60 Prozent unseres Kleiderschranks wirklich. Optimal wäre also, wirklich nur das zu kaufen, was wir tatsächlich auch tragen. Eine gute Faustregel ist: Ein Kleidungsstück sollte mindestens 30 Mal getragen werden. Für mich persönlich ist das eine riesige Herausforderung, weil ich mich immer wieder gern neu erfinde. Wenn ich jedoch ein Lieblingsteil gefunden habe, dann trage ich es, bis es alt und löchrig wird – was bei hochwertigem Design erst nach Jahren passiert. Ich besitze immer noch einen Mantel, den meine Mama vor 40(!!!) Jahren von meinem Vater geschenkt bekam – das Ding sieht aus wie neu.

3. Werde deine eigene Stil-Ikone

Um ein Teil wirklich mindestens 30 Mal zu tragen, musst du dich darin wirklich wohl fühlen. Einen eigenen Stil entwickeln wir meist erst nach Jahren des Ausprobierens und bei mir ändert er sich von Zeit zu Zeit auch. Du kennst deinen Stil bereits? Großartig! Bleib im treu, dann brauchst du nicht jedem Trend hinterher zu rennen. Gerade Trendteile sind es nämlich, die keinesfalls 30 Mal getragen werden, sondern im Schrank versauern, nachdem wir sie 1-2 Mal ausgeführt haben.

Bei Labo.Art findet ihr raffinierte Klassiker, deren Design an Architektur erinnert. Linienführung, Geometrie und Material on Point. Diese Designs sind auf jeden Fall was für die Ewigkeit.

4. Was ist mit Trends?!

Ich wiederhole mich: Ich bin ein kleines Konsumopfer. Du auch? (Fast) Kein Problem! Denn selbst wenn du deine Garderobe öfter mal neu definieren und nicht immer nur das Gleiche tragen willst, gibt es dafür nachhaltige Alternativen. Zunächst gilt: Vermeide Fast Fashion.  Fast jeder Trend war übrigens schon einmal da. Deswegen findest du vieles von dem, was gerade in den Fast Fashion-Ketten hängt, in jedem gut sortieren Second Hand Shop. Rüschenblusen, Karottenjeans, Plisseekleider?! Alles schon mal da gewesen! Ich liebe vintage Mode und auch die Herausforderung, abseits des Massenmarktes Trends zu kreieren. Bei LNFA findet ihr eine exzellente, kleine und feine Auswahl an vintage und Second Hand Pieces, darüber hinaus außerdem tolle faire Labels.

Sich als Label nicht den aktuellen Trends zu beugen ist ein Luxus, den sich das Schuh-Label Premiata gönnt. Die Kollektionen richten sich nicht nach dem Markt, sondern die Designs sind ein Mix aus Heritage und Zukunftsvision. Damit setzen sich die Schuhmacher über Trends hinweg.

5. Mindset-Check

Warum konsumieren wir eigentlich? Denk mal über deine Konsumentscheidungen nach. Belohnst du dich? Shoppst du spontan oder schläfst du auch mal eine Nacht drüber und entscheidest dann? Bist du ein emotionaler Einkäufer? Wenn ich unverhältnismäßig viel konsumiere, dann stopfe ich damit meist kleine Löcher in meiner Seele. Da mir das heute sehr bewusst ist, frage ich mich in solchen Zeiten lieber, was in mir los ist und wie ich mein Leben wieder auf eine ausgeglichene Spur bringe. Konsum bedeutet oft, dass wir Ausflüchte suchen oder emotionale Entscheidungen treffen. Wenn ich traurig bin, hilft es viel mehr, mit guten Freunden zu sprechen, als mir ein neues Kleid zu kaufen. Und belohnen kann ich mich auch mit nicht-materiellen Dingen. Am Ende bereichert das mehr.

6. Support your fair Labels!

Vor ein paar Jahren noch haftete nachhaltiger Mode das Öko-Langweilig-Label an. Das ist heute keineswegs mehr der Fall. Die Auswahl an nachhaltigen Alternativen wächst und wächst. Und wenn sich global etwas ändern soll, ist genau das der richtige Weg. Niemand sagt, dass wir komplett auf Mode verzichten müssen. Es macht aber durchaus Sinn, über die Menge und Herstellung unseres Konsums nachzudenken. Achte darauf, von den Labels zu kaufen, die nachhaltig produzieren und in ihrer Wertschöpfungskette faire Bedingungen für alle Beteiligten schaffen. Siegel können dir dabei helfen, diese Labels zu erkennen.

Bei Studio183 findet ihr immer wechselnde Kollektionen von Berliner Jungdesignern, aber auch bewährte Labels wie meine Lieblinge Stine Goya oder Henrik Vibskov haben hier ihren Platz.

7. Kleine Siegel-Kunde

Faire und nachhaltige Labels legen den Herstellungsprozess des Kleidungsstücks offen. Damit die Unternehmen uns nicht einen vom Pferd erzählen, gibt es einige nachhaltige Siegel, die von Firmen, Stiftungen und dem Umweltministerium verliehen werden. Auf Siegelklarheit.de bekommt ihr einen guten Überblick über alle gängigen Siegel und erhaltet Auskunft darüber, was die Kriterien sind. Nachhaltige Labels wie Veja, Patagonia oder Izipizi findet ihr beispielsweise im Market Lifestore.

8. Tauschen, verkaufen, verschenken

Klamotten, die mir nicht mehr passen oder gefallen, können für andere zum neuen Lieblingsstück avancieren. Deshalb spende ich immer einen Teil an Frauenhäuser, den Rest verkaufe ich, tausche mit Freundinnen oder gebe es an Charity Flohmärkte für den guten Zweck. Online und offline gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um unbenutzten Gegenständen neues Leben zu verleihen.

9. Reparieren statt Konsumieren

Was ist eigentlich aus dem guten alten Sockenstopfen geworden? Früher sind Dinge kaputt gegangen und man hat sie repariert. Heute haben wir ein Loch im Hemd und kaufen direkt ein neues. Das muss nicht sein. Ich habe null Talent fürs Nähen und gebe meine Sachen entweder meiner Omi oder vertraue sie der Schneiderin an der Ecke an. Das kostet nicht viel und das Loch ist geflickt, der Reißverschluss repariert oder die Hose gekürzt.

 10. Es ist dein Tempo

Du musst nicht von heute auf morgen perfekt werden. Geh in deinem eigenen Tempo die Schritte, die für dich persönlich möglich sind. Wichtig ist, dass wir als Konsumenten dazu beitragen, dass das System geändert wird. Und ja: Deine Stimme ist wichtig uns relevant, selbst wenn wir oft das Gefühl haben, dass wir alleine doch nichts ausrichten können. Doch, können wir. Denn je mehr von uns umdenken und bewusste Konsumschritte gehen, desto lauter werden unsere Stimmen.

 

Fazit: Achtsamer Konsum will gelernt sein. Wenn wir aber unser Kaufverhalten hinterfragen und bewusst Geld für materielle Güter ausgeben, dann ändern wir nicht nur in unserem kleinen Umfeld etwas, sondern sind auch ein Schritt hin zum fairen und nachhaltigen Systemwechsel. Happy mindful shopping!